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Titelverteidiger und großer Favorit: Der FC Bayern München. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Tom Weller/dpa)
Titelverteidiger und großer Favorit: Der FC Bayern München. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Tom Weller/dpa)
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FC Bayern und sonst nichts: Bundesliga ist sich einig

On 22. August 2025

Fragt man die Verantwortlichen der Bundesliga-Clubs, braucht man die neue Saison am Freitagabend gar nicht erst anzupfeifen. Deutscher Meister wird wieder der FC Bayern München – da sind sich die Befragten in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur zu mehreren Themenkomplexen einig. 15 Bundesliga-Vereine nahmen an der Umfrage teil, elf gaben einen konkreten Meistertipp ab, nämlich durchweg den FC Bayern. Vier Clubs gaben an, keine Einschätzung abgeben zu wollen, drei antworteten nicht.

Der Titelverteidiger geht also als großer Favorit in die Saison, auch wenn er in diesem Sommer seine beiden Wunschspieler Florian Wirtz und Nick Woltemade nicht bekommen hat. Dafür diskutiert man nun in München kurz vor dem Saisoneröffnungsspiel gegen RB Leipzig (Freitag, 20.30 Uhr/Sky und Sat.1) auf offener Bühne über die Transferstrategie und den nach den prominenten Abgängen von Thomas Müller, Leroy Sané und Kingsley Coman nur noch sehr kleinen Kader.

Über die Kräfteverhältnisse in der Fußball-Bundesliga macht man sich bei der Konkurrenz trotzdem keine Illusionen. «Sie haben einfach die beste Mannschaft», sagte der neue Werder-Trainer Horst Steffen über seinen Meistertipp Bayern München. Und Heidenheims Frank Schmidt meinte: «Der Punkteabstand war letztes Jahr schon sehr groß. Deshalb glaube ich nicht, dass die anderen Mannschaften diese Lücke zum FC Bayern schließen können.»

Bayern-Rivalen kämpfen mit Problemen

Im Sommer 2024 hörte sich das noch anders an. Da hatte Bayer Leverkusen gerade zum ersten Mal in seiner Vereinsgeschichte die deutsche Meisterschaft gewonnen und eine Reihe von Bundesliga-Trainern traute der Werkself eine erfolgreiche Titelverteidigung zu. Dass es diesmal in der Meisterumfrage keine einzige andere Antwort als den FC Bayern gab, hat auch viel mit der Konkurrenz zu tun.

Denn Ex-Meister Leverkusen verlor in diesem Sommer nicht nur seinen Erfolgstrainer Xabi Alonso an Real Madrid, sondern auch die nahezu komplette Achse seines Meisterteams. Florian Wirtz ging lieber zum FC Liverpool als nach München. Dazu verließen noch Abwehrchef Jonathan Tah (Bayern München), die beiden Führungsspieler Granit Xhaka (AFC Sunderland) und Lukas Hradecky (AS Monaco) sowie Flügelflitzer Jeremie Frimpong (FC Liverpool) den Club.

Bundesliga als Englands Ausbildungsbetrieb?

RB Leipzig steht nach der schlechtesten Saison seit dem Bundesliga-Aufstieg vor einem ähnlichen Neuaufbau. Borussia Dortmund dagegen hat mit Jobe Bellingham (AFC Sunderland), dem jüngeren Bruder von Jude Bellingham, bislang nur einen namhaften Transfer getätigt.

Aber selbst wenn Freiburgs Trainer Julian Schuster mit seiner Einschätzung Recht behalten sollte («Ich denke, es rückt alles wieder etwas enger zusammen») und einer der genannten Clubs oder der Champions-League-Teilnehmer Eintracht Frankfurt den FC Bayern ernsthaft herausfordern würde: Ein großes Problem der Liga würde das nicht ändern.

Denn gerade dieser Sommer hat wieder gezeigt, warum die Bundesliga vor allem in England als Ausbildungsbetrieb («Farmers League») für die Premier League verspottet wird. «Jahr für Jahr verlassen die besten Spieler die Liga – zuletzt Namen wie Florian Wirtz, Hugo Ekitiké oder Benjamin Šeško, oft Richtung Premier League», schreibt der ehemalige Nationalspieler Holger Badstuber in seiner Kolumne für das Nachrichtenportal Web.de.

«Die Bundesliga steht an einem Scheidepunkt: Entweder Rückgrat zeigen oder weiter abrutschen», meint Badstuber. «Denn was nachkommt, überzeugt selten: Eigene Talente bekommen zu wenig Vertrauen.»

Liverpool bedient sich besonders gern in der Bundesliga

Wer einen Beleg für seine These sucht, muss sich nur die Aufstellung des englischen Meisters FC Liverpool beim Saisonauftakt der Premier League anschauen. Da kamen neben den beiden Ex-Leverkusenern Frimpong und Wirtz auch der bisherige Torjäger von Eintracht Frankfurt (Hugo Ekitiké), der ehemalige Kapitän des VfB Stuttgart (Wataru Endo) und ein einstiger 70-Millionen-Einkauf von RB Leipzig (Dominik Szoboszlai) zum Einsatz.

Was dem FC Bayern von seiner nationalen Konkurrenz unterscheidet: Die Münchner sind der einzige deutsche Club, der auf die Übermacht der Premier League mit eigenen Transfers in dieser Preisklasse reagieren kann. Kommt ein Wirtz nicht oder ein Woltemade nicht, schlägt man eben für rund 70 Millionen Euro bei dem Kolumbianer Luis Díaz (FC Liverpool) zu. 

Das Problem der Münchner ist höchstens, dass solche Entscheidungen schon seit Jahren keinem klaren Plan mehr folgen. Sportvorstand Max Eberl würde offenbar gern noch den Ex-Leipziger Christopher Nkunku (FC Chelsea) dazu holen. Aufsichtsrat Uli Hoeneß konterkarierte diese Personalplanung kurz vor dem Saisonstart via «Süddeutsche Zeitung». «Ich würde sehr dafür plädieren, den Kader noch aufzufüllen mit einem Leihspieler», sagte er.

Verschiedene Fraktionen wollen in diesem Verein scheinbar immer wieder in verschiedene Richtungen. Und Trainer Vincent Kompany steht dazwischen. Seine Aussicht auf die neue Saison ist: «Wir möchten einen Schritt nach vorne machen, obwohl wir letzte Saison schon über 80 Punkte hatten. Was die anderen Mannschaften machen, ist nicht meine Priorität.»

Sebastian Stiekel, dpa
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