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Niko Kovac trainierte mit dem BVB am Sonntag im strömenden Regen (Urheber/Quelle/Verbreiter: Carsten Lappe/dpa)
Niko Kovac trainierte mit dem BVB am Sonntag im strömenden Regen (Urheber/Quelle/Verbreiter: Carsten Lappe/dpa)
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Neues Jahr, neue Ansprüche: Kovac spürt Unruhe beim BVB

On 4. Januar 2026

Die Ansagen sind kurz und knackig. «Männer, mit mehr Zug!», «Das muss schneller gehen!», «Konzentration Männer!» In den ersten Trainingseinheiten des Jahres im spanischen Marbella macht Niko Kovac klar, worauf es bei Borussia Dortmund ankommt. Der Trainer des BVB zieht die Zügel an. 

Platz zwei zum Jahreswechsel und sieben Punkte mehr als zum Vorjahreszeitpunkt – alles schön und gut. Obwohl Kovac den BVB in seinen ersten elf Monaten als Chefcoach stabilisiert und zurück in den Kreis der zwei, drei nationalen Spitzenteams hinter dem FC Bayern geführt hat, kam zuletzt Unmut im fordernden und durchaus schwierigen Umfeld der Westfalen auf. «Wir haben einige Spiele gehabt, wo wir in den letzten Sekunden Tore kassiert und dann Punkte liegen gelassen haben», merkte Nationalverteidiger Waldemar Anton im Trainingslager an. 

Zu viele Unentschieden, zu wenig Spektakel: Unmut wächst

Allein in der Bundesliga waren es drei Spiele (1:1 beim HSV, 3:3 gegen Stuttgart, 1:1 in Freiburg), in denen die Dortmunder insgesamt sechs Punkte verspielten. Der Rückstand auf die Bayern könnte vor dem Bundesliga-Neustart am Wochenende locker bei nur drei statt satten neun Zählern liegen. In der Champions League kamen zwei weitere verspielte Siege gegen Juventus Turin (4:4) und Bodö/Glimt (2:2) hinzu. 

Verweise darauf nerven Kovac neuerdings. Lange Zeit zehrte der Nachfolger von Nuri Sahin davon, den BVB wieder in die Spur bekommen zu haben. Dass der 54-Jährige in der Vorsaison mit einem Schlussspurt die Champions-League-Millionen sicherte und den Club vor einem ernsten Problem bewahrte, wurde mit einer überraschend vorzeitigen Vertragsverlängerung belohnt.

«Seit April haben wir in den vergangenen neun Monaten nur in Barcelona, gegen Real Madrid bei der Club-WM, in München, bei Manchester City und gegen Leverkusen verloren», merkte Sportchef Lars Ricken zuletzt im «Kicker» an. «Niko hat sich Vertrauen verdient. Wir wollen mit ihm etwas aufbauen und mit ihm zusammen die Mannschaft weiter verbessern.»

Und darin liegt die Krux. Der Fußball der Westfalen ist selten spektakulär, Ricken selbst sprach von einem «pragmatischen» Fußball. Und dies stößt bei den Fans auf Kritik, worauf Kovac zunehmend dünnhäutig reagiert. Etwas erholt über die Feiertage gestand er nun ein, dass «es den einen oder anderen Punkt gibt, wo es noch Luft gibt.» Daran wird nun in Marbella gearbeitet. Schon die zweite und dritte Einheit an der Costa del Sol waren geheim. 

BVB-Fußball soll nicht mehr nur pragmatisch sein

Gebetsmühlenartig verweist Kovac zwar darauf, wo der BVB vor ihm stand und wo er jetzt steht. Doch er benennt auch die Baustellen. «Mit dem Status quo sind wir nicht unzufrieden. Aber als Trainer will man sich immer verbessern», sagte Kovac in Marbella. «Wir müssen unsere Chancen besser ausspielen. Es geht um Ballmitnahme und solche Dinge.» Anton nannte «taktische Dinge, Standards vielleicht» und generell «einige Themen, die wir aufarbeiten müssen». 

Schon am Freitag (20.30 Uhr/Sat.1 und Sky) sind die Dortmunder in der Bundesliga bei Eintracht Frankfurt wieder gefordert. Im Februar geht Kovac in sein zweites Jahr als BVB-Coach und er merkt, dass die Fans mehr wollen: Spektakel, begeisternden Offensivfußball und auf Sicht wieder Titel. 

Auch Nebenkriegsschauplätze nerven

Zu dem wieder gestiegenen Anspruch kommen Nebenkriegsschauplätze, die Kovac nerven. Disziplinlosigkeiten seiner Stars, anhaltende Wechselgerüchte um Nico Schlotterbeck, Debatten über Vertragsverlängerungen von Kapitän Emre Can, Julian Brandt und Karim Adeyemi belasten das Klima. Unterschwellig gab Kovac zuletzt den Druck an Sportdirektor Sebastian Kehl weiter.

«Das ist seine Aufgabe», sagte der Coach zu den Gesprächen mit Adeyemi und Schlotterbeck, deren Verträge bis 2027 gültig sind und die gehalten werden sollen. «Ich bin davon überzeugt, dass er alles gibt.»

Eine unangenehme Aufgabe nahm Kehl dem Trainer in Marbella bereits ab. Zusammen mit Sportchef Lars Ricken verdonnerte er Adeyemi wegen seines Ausrasters nach der vorzeitigen Auswechslung beim 2:0 gegen Borussia Mönchengladbach kurz vor Weihnachten zu einer fünfstelligen Geldstrafe. Auf Themen solcher Art würde Kovac im neuen Jahr gerne verzichten.

Von Carsten Lappe, dpa
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