Mit dem Schwung des Last-Minute-Siegs gegen den FC St. Pauli will Borussia Dortmund Richtung Achtelfinale der Champions League stürmen. «Wir fliegen jetzt im wahrsten Sinne des Wortes mit Rückenwind nach London», sagte Geschäftsführer Lars Ricken am Dortmunder Flughafen. «Wir wollen dieses Endspiel gegen Inter haben!»
Der Plan des 49-Jährigen ist klar: Erst bei Tottenham Hotspur gewinnen (Dienstag, 21.00 Uhr/Amazon Prime) und dann nächste Woche im heimischen Fußballtempel gegen Inter Mailand den direkten Achtelfinaleinzug klarmachen.
Gute Ausgangslage
Bei noch zwei ausstehenden Spielen und elf Punkten hat der BVB alle Chancen. In der vergangenen Saison, als erstmals im neuen Ligasystem gespielt wurde, brauchte man 16 Punkte für die direkte Achtelfinal-Qualifikation. Der FC Brügge auf dem 24. Platz, der als Letztes noch zur Teilnahme an den Playoffs berechtigt, hatte nach acht Spielen so viele Zähler, wie der BVB jetzt hat.
In der britischen Hauptstadt trifft die Borussia auf einen punktgleichen, aber auch stark angeschlagenen Gegner. In europäischen Wettbewerben sind die Spurs zu Hause zwar eine Macht. Die aktuelle Verfassung spricht jedoch klar für den BVB – allen Debatten um spielerische Mängel zum Trotz.
Tottenham-Trainer unter Druck
Mit einem Remis und zwei Siegen ist die Mannschaft von Trainer Niko Kovac ergebnistechnisch gut ins neue Jahr gestartet, hat Platz zwei in der Bundesliga gefestigt. Tottenham um die früheren Bundesliga-Stars Randal Kolo Muani und Xavi Simons hinkt den eigenen Ansprüchen in der Premier League dagegen wie schon in der vergangenen Spielzeit weit hinterher.
Die Mannschaft von Trainer Thomas Frank hat fünf Pflichtpartien in Serie nicht gewonnen, ist im FA Cup rausgeflogen. Ricken warnte trotzdem: «Wenn irgendjemand glaubt, es wäre jetzt mit weniger als 100 Prozent möglich, dem muss ich leider sagen: Das wird nicht passieren.»
Tottenham machte am Samstag quasi die BVB-Erfahrung im negativen Sinne. Während der Revierclub durch Emre Cans Elfmetertor in der 96. Minute noch gewann, verloren die Spurs das Stadtduell gegen West Ham durch einen Gegentreffer in der Nachspielzeit. Die Stimmung unter den Fans ist aufgeheizt. Trainer Frank muss Medienberichten zufolge um seinen Job beim Europa-League-Sieger bangen.
Besondere Bedeutung der Champions League
Derartige Sorgen hat Kovac in Dortmund nicht. Mit dem 54-Jährigen an der Seitenlinie punktet der BVB zuverlässig. Für Kritik sorgte zuletzt allerdings immer wieder die B-Note. Dortmund dominierte seine Gegner nicht und ließ es an Kreativität im Spiel nach vorne vermissen. Solange die Borussia weiter ein Tor mehr als der Gegner schießt, lässt sich das verschmerzen. Die Stimmung könnte jedoch schnell kippen.
Weil die Borussia im Pokal bereits ausgeschieden und in der Liga angesichts der Überlegenheit des FC Bayern nur noch die erneute Qualifikation für die Königsklasse als Ziel realistisch ist, kommt dem wichtigsten europäischen Vereinswettbewerb eine besondere Bedeutung zu. Ein Weiterkommen in der Champions League ist nicht nur finanziell wichtig. Die Königsklasse bietet auch die einzige verbliebene Chance, aus dieser Saison noch eine ganz besondere zu machen.
