Diesmal soll Donald Trump nicht die Show stehlen. Die Bühne bei der Auslosung der nächsten Runde der Nations League gehört anders als bei der bizarren WM-Show in Washington nur dem Fußball. Julian Nagelsmann unterbricht dafür sogar für einen Tag seine intensiven WM-Vorbereitungen und freut sich auf mögliche Europa-Kracher im Herbst gegen Italien, Niederlande, England oder die Türkei.
«Die Duelle mit den europäischen Top‑Nationen sind in der Zeit zwischen den großen Turnieren sehr reizvoll – für unsere Fans und für unsere Spieler, die sich immer mit den Besten messen wollen», sagte der Bundestrainer vor der UEFA-Zeremonie am Donnerstag (18.00 Uhr) in der Expo-Halle 3 in Brüssel der Deutschen Presse-Agentur.
Quartett zum Auftakt
Der straffe internationale Fußball-Zeitplan erfordert schon jetzt – im Vorlauf auf das große Sommerturnier in den USA, Mexiko und Kanada – die Festlegung des Spielplans für den nächsten Wettbewerb, der im September mit vier Spielen binnen zwei Wochen startet.
Kurz stehen also nicht die WM-Kontrahenten Curaçao, Elfenbeinküste und Ecuador für Nagelsmann exklusiv an erster Stelle. «Wir freuen uns extrem auf die WM, und der Fokus liegt aktuell voll auf dem Turnier. Parallel müssen wir natürlich auch schon professionell für die Zeit danach planen», sagte der 38-Jährige.
Was erwartet Nagelsmann bei seinem Kurztrip nach Belgien?
Nach der Qualifikation für das Final Four im Sommer 2025 ist die Nationalmannschaft auch bei der fünften Auflage des UEFA-Wettbewerbs in der Top-Liga A im besten Pool gesetzt. Fest steht damit bereits, dass es in der Gruppenphase nicht zu Duellen mit Titelverteidiger Portugal, Europameister Spanien oder Vize-Weltmeister Frankreich kommen kann.
Eine Garantie für eine leichte Gruppe ist das aber nicht. Möglich ist zum Beispiel eine auch für die Fans brisante und reizvolle Konstellation mit der Türkei, England und den Niederlanden. Deutlich leichter wäre eine Gruppe mit Dänemark, Serbien und Griechenland.
Wie sehen die Lostöpfe für die Liga A konkret aus?
Es gibt vier Lostöpfe die nach dem Abschneiden in der letzten Ausgabe gebildet werden. In alle vier Gruppen wird je ein Team aus jedem Topf gelost.
Topf 1: Portugal, Spanien, Deutschland, Frankreich
Topf 2: Italien, Niederlande, Dänemark, Kroatien
Topf 3: Serbien, England, Belgien, Norwegen
Topf 4: Wales, Tschechien, Griechenland, Türkei
Wird der Spielplan sofort fixiert?
Wie bei der WM muss Nagelsmann eine Nacht schlafen, bevor er den genauen Spielplan erfährt. Die UEFA hat die Veröffentlichung für Freitag angekündigt. Das hängt mit der Koordinierung aller Partien auch mit den unteren Ligen B, C und D zusammen. Die Spielorte der drei deutschen Heimpartien legt der DFB in der Regel erst später fest.
Wie läuft die Nations League genau ab?
Die UEFA verändert den Modus nicht. Gespielt wird in den Ligen A, B, C, D. Termin-Slots für die sechs Gruppenspiele sind der 24. September bis 6. Oktober (4 Spiele) und 12. bis 17. November (2 Spiele).
Die vier Gruppensieger der Liga A spielen gegen einen Gruppenzweiten im März 2027 in Viertelfinal-Playoffs die Teilnehmer des Final Four aus, bei dem vom 9. bis 13. Juni 2027 der nächste Nations-League-Sieger gekürt wird.
Die Gruppenletzten der Ligen A, B und C steigen ab, die Gruppendritten der Ligen A und B spielen gegen die Gruppenzweiten der nächsttieferen Liga in Playoffs um den Klassenerhalt.
Welchen Einfluss hat die Nations League auf die EM 2028?
Durch die Teilnahme am Finalturnier blieb der DFB-Elf eine schwere WM-Qualifikationsgruppe mit Norwegen erspart. Auch diesmal hat die Nations League Auswirkungen auf dem Weg zum nächsten großen Turnier, der EM 2028 in England, Schottland, Wales und Irland.
Als Finalteilnehmer käme man sicher in eine kleinere Quali-Gruppe, da die Spieltermine im März und Juni 2027 schon geblockt wären. Inwiefern der Gruppensieg wie bei der WM als Freilos für ein später eventuell notwendiges EM-Playoff zählt, wird die UEFA noch bekanntgeben.
Was passiert sonst noch in Brüssel?
Ganz ohne Trump geht es nicht. Denn die Weltpolitik hat Einfluss auf den Fußball. Vor der Auslosung treffen sich die UEFA-Verbände zu ihrem Kongress in der Expo-Halle der belgischen Hauptstadt. Auch wenn die Tagesordnung sehr formal angelegt ist, liegt die Brisanz wie so oft abseits der offiziellen Themen.
Die Forderungen vornehmlich aus politischen Kreisen nach einem WM-Boykott angesichts der Trump-Politik und die von FIFA-Boss Gianni Infantino angestoßene Debatte über eine Rückkehr Russlands in den Welt-Fußball auch ohne Frieden in der Ukraine werden die Funktionäre um die deutschen Spitzenvertreter Bernd Neuendorf (DFB-Präsident und FIFA-Council-Mitglied) und Hans-Joachim Watzke (UEFA-Exko-Mitglied) definitiv beschäftigen.
Ein WM-Boykott wird bislang von allen maßgeblichen Fußball-Bossen abgelehnt. Auch Neuendorf hat sich klar positioniert. Die Debatte sei «zum jetzigen Zeitpunkt völlig verfehlt» und komme zur «Unzeit», sagte der DFB-Chef.
Die russische Rückkehr ist ein heikles Thema. Der Widerstand dagegen scheint zu schwinden, unabhängig vom forschen Infantino-Vorstoß. Möglich wäre eine UEFA-Initiative, zunächst Jugendmannschaften wieder für offizielle Wettbewerbe zuzulassen. UEFA-Präsident Aleksander Ceferin gilt als Befürworter dieser Idee.
