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Ceferin (l.) und Infantino (r.) führen die UEFA und die FIFA in das WM-Jahr. (Archivbild) (Urheber/Quelle/Verbreiter: Fernando Calistro/AP/dpa)
Ceferin (l.) und Infantino (r.) führen die UEFA und die FIFA in das WM-Jahr. (Archivbild) (Urheber/Quelle/Verbreiter: Fernando Calistro/AP/dpa)
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Kongress der Untertöne: Fußball-Bosse umschiffen Konflikte

On 12. Februar 2026

Der Name Donald Trump fiel auf dem Podium in den leuchtenden Blau- und Silbertönen kein einziges Mal. Und auch um Russland machten Europas Fußball-Bosse bei ihrem Kongress in Brüssel verbal einen großen Bogen. Alle möglichen Konfliktthemen wurden bei der UEFA-Zusammenkunft von Aleksander Ceferin als Chef des Kontinentalverbandes wie von FIFA-Präsident Gianni Infantino als Ehrengast nur in Untertönen gestreift. 

Wer wenige Stunden vor der Auslosung der nächsten Nations-League-Runde einen Dissens zwischen den Fußball-Alphatieren spüren wollte, musste in der Expo-Halle in der belgischen Hauptstadt schon genau hinhören. Lieber feierten sich Ceferin und Co. für den Deal mit Real Madrid vom Vortag, der den jahrelangen Disput um eine Super League beendete. Auch Infantino gratulierte ausdrücklich. 

Eine offen ausgetragene Diskussion um einen WM-Boykott zumindest als Drohkulisse gegen die Politik von US-Präsident Trump oder eine offen kontroverse Debatte um eine mögliche Rückkehr russischer Teams in internationale Wettbewerbe auch ohne Frieden in der Ukraine fand nicht statt. 

Infantino drehte jede mögliche Kritik an seinen engen Banden zu Trump oder dessen in Europa massiv beanstandeter Agenda in einen positiven Sommer-Ausblick um. «Die WM muss und wird ein Symbol für Einheit und Solidarität sein», sagte der FIFA-Präsident in seiner Ansprache.

Das Turnier in den USA, Mexiko und Kanada werde in einer «friedlichen und fröhlichen Atmosphäre stattfinden», versicherte der Schweizer Weltverbandschef vor den europäischen Fußball-Delegierten. 

In seiner Rede erwähnte auch Infantino den Namen Trump nicht. Man lebe in einer «geteilten Welt, einer aggressiven Welt» in der es «viele Dinge gibt, mit denen wir nicht einverstanden sind», sagte der 55-Jährige zwar. Er erwarte aber «eine Party, ein Fest, das die Welt in Frieden und Freude vereint», versicherte Infantino mit Blick auf das Turnier mit 48 Mannschaften vom 11. Juni bis 19. Juli. 

Absage an Boykott-Debatte

Zuletzt waren in Deutschland, aber auch auf der politischen Bühne der Europäischen Union Forderungen nach einem Boykott der WM angesichts der Trump-Politik laut geworden. DFB-Präsident Bernd Neuendorf hatte diese als unpassend zurückgewiesen. Die europäischen Fußball-Verbände müssten mit gutem Beispiel vorangehen, damit der Fußball seine vereinende Kraft entfalten könne, forderte Infantino. «Ich zähle auf jeden einzelnen von Euch», sagte er.

Keine neuen Aussagen machte Infantino zu einer möglichen Rückkehr russischer Mannschaften zu internationalen Wettbewerben. Zuletzt hatte der FIFA-Chef eine Wiederaufnahme trotz des andauernden Krieges in der Ukraine nicht kategorisch ausgeschlossen. 

UEFA-Präsident Ceferin gilt als Befürworter, zumindest Jugend-Teams aus Russland eine Perspektive zu bieten. Man müsse immer «Lösungen finden, den Ball am Rollen zu halten», sagte Ceferin in Brüssel, ohne explizit auf die russische Situation einzugehen. 

Fest stehe: Man könne Fußball-Verbände und auch Fußballer nicht für die Fehler der Politik bestrafen, meinte der Slowene. Infantinos Aussagen seien aus seiner Sicht etwas aufgebauscht worden. Der Fußball bereitet sich offensichtlich auf eine russische Rückkehr vor, sobald es die politische Situation irgendwie zulässt. 

Seitenhieb zu Ticketpreisen

Ohne verbale Seitenhiebe ging es aber freilich nicht ab. Ceferin versprach den Fans günstige Tickets bei der nächsten Europameisterschaft. Im Gegensatz zur FIFA-Preispolitik für die WM. Fußball sei «Identität, es ist keine Industrie, und es ist Gemeinschaft, es ist keine Ware», sagte Ceferin. 

«Die Überzeugung leitet unsere Entscheidungen. Aus diesem Grund setzt sich die UEFA weiterhin stark für den fan-freundlichen Ticketverkauf ein. Am deutlichsten wird dies bei der Euro 2028, wo faire und transparente Prinzipien und nicht Preis-Algorithmen die Fans an die erste Stelle setzen. Wir werden Familien nicht durch hohe Preise ausschließen und Loyalität nicht in Luxus verwandeln», versicherte Ceferin. 

Zuletzt hatte es massive Kritik an hohen WM-Ticketpreisen gegeben. Wie bei Sportereignissen in den USA üblich wurde von der FIFA ein dynamisches Preissystem etabliert, das sich durch Nachfrage reguliert. Nach großer Empörung war nachträglich für die treuesten Anhänger der jeweiligen Teams eine Kategorie mit noch günstigeren Tickets in allerdings begrenzter Anzahl eingeführt worden.

Neue Kandidatur offen

Die EM in zwei Jahren findet in England, Wales, Schottland und Irland statt. Genaue Ticketpreise nannte Ceferin noch nicht. Ob der Slowene 2028 überhaupt noch UEFA-Chef ist, bleibt ungewiss. Eine Aussage zu einer erneuten Kandidatur beim Kongress am 4. März 2027 in Astana in Kasachstan machte er nicht.

Von Arne Richter, dpa
In International NewsIn EM , Tickets , UEFA , UEFA und FIFA

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