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Sammer übt Kritik am deutschen Fußball. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Federico Gambarini/dpa)
Sammer übt Kritik am deutschen Fußball. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Federico Gambarini/dpa)
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Sammer sieht Identitätskrise: «Maximal noch ein Maschinchen»

On 15. Juli 202515. Juli 2025

Matthias Sammer zeigt sich besorgt über die Entwicklung im deutschen Fußball. «Der deutsche Fußball hat seine grundsätzliche Identität und damit wesentliche Stärke verloren», sagte der 57-Jährige dem «Kicker». Veränderungen wie Ballbesitzfußball, raumorientierte Spielweise und taktische Flexibilität durch den Einfluss ausländischer Trainer seien gut und notwendig. Aber die Balance zwischen Innovation und Tradition sei nicht geglückt.

Der Veränderung sei ein höherer Stellenwert zuerkannt worden als den traditionellen Stärken. «Diese wurden fälschlicherweise als Rumpelfußball, Fußball von gestern und oldschool abgetan. Bewusst provokativ stelle ich mir die Frage: Wofür steht der deutsche Fußball heute eigentlich?», sagte Sammer. «Wir sind schockverliebt in Taktik und Ballbesitz, haben mit deren Übernahme einiges verbessert, aber Wesentliches verloren.»

«Wir verkaufen also Durchschnitt als außergewöhnlich»

Der frühere Nationalspieler, Trainer sowie Sportdirektor sieht den Trend kritisch. «Wir Deutschen sind, wie man an unserer Fußballgeschichte sieht, immer mannschaftlich geschlossen, robust und kompakt aufgetreten. Als Mannschaft waren wir eine Maschine. Heute sind wir maximal noch ein Maschinchen», befand «Europas Fußballer des Jahres» von 1996. «Im Schönreden sind wir noch immer stärker als in der kritischen Analyse. Der deutsche Fußball muss wieder lernen, Durchschnitt nicht als Weltklasse zu verkaufen.»

Bestes Beispiel dafür sei das unglückliche Ausscheiden der Nationalmannschaft bei der Heim-Europameisterschaft im Vorjahr gegen den späteren Gewinner Spanien, meinte Sammer. «Das Viertelfinale bei der EM 2024 wurde in der Öffentlichkeit verkauft wie ein Titel», sagte er: «Das Unangenehme sprechen wir aber nicht mehr an.» Der Berater von Borussia Dortmund forderte: «Das Beste muss unser Maßstab sein.»

Matthäus erwidert: «Nicht weit von Spitze entfernt»

Sammers früherer DFB-Teamkollege Lothar Matthäus sieht die Lage nicht ganz so dunkel. «Wir sind nicht so gut, wie wir es uns vielleicht ab und zu einreden», schrieb der Rekordnationalspieler zwar in seiner Sky-Kolumne. «Natürlich fehlt etwas, da hat Matthias recht, aber wir sind nicht weit von der Spitze entfernt, auch wenn die Nations League wieder in die Hose gegangen ist.»

Die deutsche Auswahl hatte jüngst beim Mini-Heimturnier den Titel in der Nations League nach zwei Niederlagen klar verpasst. Die Chancenverwertung sei ein großes Problem, meinte Matthäus und hofft auf eine öffentliche Debatte darüber. «Julian Nagelsmann oder auch Rudi Völler können nicht nur alles schönreden, sondern man muss auch feststellen, dass es an der Ruhe beim Abschluss und an Erfahrung fehlt.»

DFB-Stärke laut Matthäus die Mentalität

Sammers grundsätzliche Zweifel teilte Matthäus nicht. «Im deutschen Fußball ist man immer über die Mentalität gekommen», schrieb er. «Wir haben immer bis zum Ende an uns geglaubt und deswegen wollten andere Mannschaften nicht gerne gegen Deutschland spielen. Das war vor 40 Jahren schon so und das haben wir zuletzt auch bei der U21-Nationalmannschaft gesehen.» Die DFB-Junioren hatten sich jüngst bis ins Finale der EM gekämpft.

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