Mönchengladbach (dpa) –
Rouven Schröder brachte die Lage bei Krisenclub Borussia Mönchengladbach nach dem nächsten schweren Rückschlag auf den Punkt. «Das einzig Positive ist, dass die Saison noch nicht vorbei ist», sagte der Sportchef nach der vierten Niederlage im vierten Bundesligaspiel dieser Spielzeit.
Null Punkte, 16 Gegentore, Auftritte wie ein Absteiger: Der neue Borussia-Trainer übernimmt einen schon zu Beginn der Saison mehr als bedenklich taumelnden Traditionsverein. Immerhin: Schröder hat offenbar einen Nachfolger für den geschassten Eugen Polanski gefunden.
Man habe mit einem Coach «eine mündliche Einigung erzielt», sagte der 50-Jährige nach dem 3:4 gegen den FSV Mainz 05. Man werde «die Zeit in den nächsten Tagen nutzen, da Vollzug zu melden». Wer es wird, verriet Schröder nicht. Nach Informationen der «Bild» soll es sich um Alexander Blessin handeln, der zuletzt den FC St. Pauli trainierte und mit den Hamburgern aus der Bundesliga abstieg.
Vier Gegentore pro Spiel
Wer auch immer die Elf vom Niederrhein übernimmt: Der neue Coach wird zunächst dringend die Abwehr stabilisieren müssen. Mit vier Gegentoren im Schnitt pro Spiel wird der Abstieg nicht zu verhindern sein.
Gegen Mainz verzweifelte auch Interimscoach Jan-Moritz Lichte an der Unordnung in der Defensive. «Wenn du hier sitzt und am Ende wieder vier Gegentore bekommen hast, dann fällt es schwer noch etwas schönzureden – und das will auch keiner», sagte er.
Vor allem bei Standardsituationen ist die Borussia weit weg von Erstligareife. Drei von vier Mainzer Toren fielen im Anschluss an einen Einwurf oder eine Ecke.
«Es hat sich nicht schlecht angefühlt, wenn der Ball im Spiel war. Umso belastender ist es, dass, sobald du eine Ecke gegen dich bekommst, du das Gefühl hast, da brennt es lichterloh», sagte Mittelfeldspieler Philipp Sander. «So ehrlich muss man sein: Das ist ein bisschen zu kindlich und einfach ein bisschen zu viel Slapstick, um am Ende drei Punkte in der Bundesliga zu holen», sagte der 28-Jährige.
Zwischenmenschliche Probleme mit Team?
Null Zähler nach vier Spielen hatte die Borussia in ihrer Bundesliga-Geschichte schon einmal. In der Saison 2015/16 war das. Damals erreichte Gladbach am Ende der Spielzeit sogar noch die Champions League. Als Mutmacher taugt das aktuell aber nicht. Zu groß sind die Defizite, zu schwach ist auch der Kader im Vergleich zu damals.
Zudem lassen die vergangenen Wochen den Verdacht aufkommen, dass es auch zwischenmenschlich in der Gladbacher Mannschaft Probleme gibt. Mit heftiger öffentlicher Kritik an seinen Mitspielern sorgte Kapitän Tim Kleindienst nach dem 3:4 gegen die SV Elversberg am zweiten Spieltag für Irritationen. Gegen Mainz waren sich Kevin Diks und Shuto Machino vor der Ausführung eines Elfmeters nicht einig.
Das erste Spiel ist gleich das Derby
Für den neuen Coach ist gleich die erste Aufgabe eine mit Knall-Potenzial. Als Tabellenletzter geht die Borussia nach der langen Länderspielpause ins Derby beim 1. FC Köln. Verliert Gladbach auch beim rheinischen Rivalen, wäre die Stimmung direkt zu Beginn der Amtszeit auf einem neuen Tiefpunkt.
In den Katakomben des Borussia-Parks gab sich Sander demonstrativ zuversichtlich. «Das ist ein besonderes Spiel», sagte er. «Da wollen wir den Fans ein bisschen was wiedergeben, was wir in den letzten Wochen nicht getan haben.» Damit das gelingt, muss sich allerdings ganz viel ändern.
