Istanbul (dpa) –
Sportvorstand Fabian Wohlgemuth erwartet ein «hochemotionales Spiel» und ein «lautes Stadion», Stürmer Ermedin Demirovic eine «besondere Atmosphäre in Istanbul». In der türkischen Metropole trifft der VfB Stuttgart am Dienstag (18.45 Uhr/DAZN) auf Galatasaray mit Leroy Sané und Ilkay Gündogan – aber vor allem auf enthusiastische Fußballfans. «Das wird schon was Besonderes. Ich glaube, Galatasaray ist allgemein was Besonderes, ein besonderer Verein», sagte Demirovic vor dem stimmungsvollen Stresstest für die Schwaben in der Champions League.
Der Blick in die Historie dürfte der Elf von VfB-Coach Sebastian Hoeneß Mut machen. Gegen deutsche Mannschaften wartet der türkische Rekordmeister seit neun Europapokal-Spielen auf einen Heimsieg. Den bislang letzten gab’s am 4. November 1992 in der zweiten Runde des damaligen UEFA-Cups gegen Eintracht Frankfurt (1:0). Die Stars der Hessen hießen vor fast genau 24 Jahren Anthony Yeboah, Jay-Jay Okocha und Uwe Bein.
Wie heiß es im Hexenkessel des Ali Sami Yen Spor Kompleksi zugehen kann, zeigten die wilden Szenen vor einer Woche beim Stadtderby zwischen Galatasaray und Fenerbahce. Nach dem 2:1 für die Gastgeber gingen Spieler beider Mannschaften auf dem Rasen aufeinander los. Polizei und Sicherheitskräfte mussten eingreifen.
Aufgeladene Stimmung beim Derby vor einer Woche
Besonders heftig waren Galatasaray-Kapitän Abdülkerim Bardakci und Fenerbahces Archie Brown aneinander geraten, die danach beide die Rote Karte sahen – und sich gegenseitig Vorwürfe machten. «Wenn Sie sich das Video ansehen, werden Sie sehen, wer zuerst angegriffen hat», sagte Bardakci. Brown konterte: «Ihr Kapitän hat Matteo Guendouzi an den Haaren gezogen. Ich habe das gesehen und ihn verteidigt.» Seine wenig charmante Ergänzung: «Sie ziehen an den Haaren und kratzen wie Frauen.»
So giftig wie im stets aufgeladenen Derby dürfte es für die Schwaben beim Tabellenführer der türkischen Liga nicht werden, auf eine «emotionale Atmosphäre» sind die Stuttgarter laut Wohlgemuth aber eingestellt. «Und dennoch müssen wir auf uns gucken», forderte der Sportboss. Er hofft, dass die Mannschaft den Schwung aus dem 4:2-Sieg in der Bundesliga bei Bayer Leverkusen mit in den vierten Champions-League-Spieltag nehmen kann.
«Das Gefühl ist zumindest anders dann in Istanbul. Weil natürlich ist es doch auch ganz normal, dass du dann an einem Dienstagabend in Istanbul mit einem verlorenen Spiel gegen Leverkusen anders auftrittst als mit einem gewonnenen», erklärte Wohlgemuth. Nach dem zuvor holprigen Pokal-Auftritt beim SC Paderborn (1:0) hatte der VfB gegen die Leverkusener Kunst mit Kampf vereint und die Abwärtsspirale in der Liga durch den dritten Saisonsieg erst einmal gestoppt.
Wohlgemuth: Rechnen uns etwas aus in Istanbul
Auch mit den bisherigen Königsklassen-Auftritten gegen Viking Stavanger (3:1), bei Slovan Bratislava (3:0) und gegen Atlético Madrid (1:1) sind die Stuttgarter sehr zufrieden. «Bis jetzt haben wir gezeigt in der Champions League, auch gegen Atlético Madrid, dass wir auf dem hohen europäischen Niveau mithalten können, dass wir Paroli bieten können, und deshalb rechnen wir uns auch was aus in Istanbul», sagte Wohlgemuth.
Galatasaray steht in der Champions League bisher bei einem Sieg und zwei Niederlagen. In der Tabelle steht das Team von Trainer Okan Buruk auf dem 23. Rang. Der VfB ist Sechster.
Fast gar keine Rolle mehr bei «Cimbom» spielt der ehemalige DFB-Kapitän Gündogan. Der 36 Jahre alte Ex-Dortmunder kam in dieser Saison erst auf fünf Kurzeinsätze. Auch für den torlosen Sané läuft in dieser Runde wenig zusammen. Zwar bringt es der frühere Bayern- und Schalke-Profi auf 13 Einsätze. Über 90 Minuten spielte er allerdings nur einmal – beim 0:4 gegen Trabzonspor.
