St. Louis (dpa) –
Der langjährige Premier-League-Trainer und aktuelle US-Coach Mauricio Pochettino hat mit Empörung auf den Fall Manchester City und die mögliche Verurteilung des zehnmaligen englischen Fußball-Meisters reagiert.
«Wo waren die Kontrollen? Das ist es, was mich am meisten beschäftigt», sagte der 54-Jährige bei seiner Pressekonferenz zum Länderspiel der USA gegen Chile (Mittwoch, 02.00 Uhr MESZ). «Wir haben eine Zeit erlebt, in der es keine sportliche Gerechtigkeit gab. Wie lässt sich all das wieder reparieren, was dadurch beschädigt wurde? Wenn es stimmt, dass gegen 114 Regeln verstoßen wurde, dann haben wir eine Zeit der Täuschung durchlebt.»
Der Argentinier Pochettino trainierte von 2014 bis 2019 den Man-City-Rivalen Tottenham Hotspur und übernahm 2023 für eine Saison den FC Chelsea. In seiner Zeit in England führte er Tottenham zweimal unter die Top 3 der Premier League und 2019 auch ins Champions-League-Finale, auch wenn sein Club das Transferbudget im Vergleich zu Manchester City streng begrenzte.
«Ich erinnere mich, dass wir das neue Stadion gebaut haben und 18 Monate lang nicht die wirtschaftlichen Möglichkeiten hatten, einen Transfer zu tätigen», sagte Pochettino. Das habe daran gelegen, dass Tottenham sich an die Regeln der Premier League hielt. «Sie waren so streng mit uns und so nachsichtig mit anderen. Deshalb sage ich: Das alles ist sehr seltsam.»
Pochettino ist «zutiefst traurig»
Die Premier League klagte Manchester City bereits 2023 wegen Verstößen gegen die Finanzregularien der besten und wirtschaftlich stärksten Fußball-Liga der Welt an. Nach übereinstimmenden Berichten britischer Medien wurde der Ex-Club von Pep Guardiola in der vergangenen Woche in 114 von 115 Fällen für schuldig gesprochen. Ein Strafmaß steht aber noch nicht fest. Manchester City kann dagegen Einspruch einlegen und weist alle Vorwürfe zurück.
Konkret geht es um mögliche Vergehen aus der Zeit von 2009 bis 2018, in der der Club unter anderem falsche Angaben zu seinen Finanzen gemacht und Sponsoringeinnahmen künstlich aufgewertet haben soll, um die Regularien der Liga umgehen zu können. Pochettino ist einer der wenigen Betroffenen aus dieser Zeit, der sich so deutlich gegen Manchester City äußert.
Das sei alles «zutiefst traurig», sagte der Argentinier. «Am Ende gerät man in eine Situation, in der alles, was gefeiert wurde, gar nicht echt war. Was gut erschien, vielleicht gar nicht so gut war. Und das, was nicht gut aussah, vielleicht doch gut war.»
